{"id":16004,"date":"2025-02-05T16:22:00","date_gmt":"2025-02-05T15:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kliniksanktmoritz.ch\/?p=16004"},"modified":"2025-02-06T21:59:34","modified_gmt":"2025-02-06T20:59:34","slug":"digital-twin-and-telemedicine-a-conversation-with-professor-sergio-pillon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kliniksanktmoritz.ch\/de\/2025\/02\/digitaler-zwilling-und-telemedizin-ein-gesprach-mit-professor-sergio-pillon\/","title":{"rendered":"Digitaler Zwilling und Telemedizin: Ein Gespr\u00e4ch mit Professor Sergio Pillon"},"content":{"rendered":"<p>Willkommen zur\u00fcck bei My Digital Twin! Heute habe ich das Vergn\u00fcgen, mit Professor Sergio Pillon zu sprechen, einem echten Pionier der Telemedizin. Sein Lebenslauf? Sagen wir einfach, es sind biblische 18 dicht gepackte Seiten. Er hat alles gemacht: ein renommierter Angiologe, Forscher, Experte f\u00fcr digitale Gesundheitsversorgung und ehemaliger Regierungsberater f\u00fcr Telemedizin bis 2018. Aber lassen wir ihn sich selbst vorstellen und uns auf eine Reise durch die Entwicklung der Telemedizin mitnehmen.<\/p>\n<p>Vom S\u00fcdpol zum Mars: Die Entwicklung der Telemedizin<br \/>\nPillon:\"Ich bin Arzt, Spezialist f\u00fcr medizinische Angiologie. Mein Weg begann in der Forschung mit zwei Expeditionen zum S\u00fcdpol, bei denen ich die Anpassungen der Gef\u00e4\u00dfe an extreme Bedingungen untersuchte. 1987 habe ich meine erste Arbeit \u00fcber Telemedizin ver\u00f6ffentlicht und sie den Nobelpreistr\u00e4gern Renato Dulbecco und Rita Levi-Montalcini vorgestellt.<br \/>\nUnd wenn Sie glauben, dass der S\u00fcdpol extrem ist, dann warten Sie, bis Sie das hier h\u00f6ren:<br \/>\n\"Ich habe an einem NASA-Seminar mit europ\u00e4ischen, russischen und japanischen Raumfahrtbeh\u00f6rden teilgenommen. Das WiFi-Passwort lautete 'Mars oder Tod'. Das sollte Ihnen einen Eindruck von der Mentalit\u00e4t in diesen Kreisen vermitteln - hohe Eins\u00e4tze, hoher Ehrgeiz. Der Schwerpunkt lag auf der Gesundheitsversorgung im Weltraum. Stellen Sie sich die Behandlung eines Astronauten auf dem Mars vor, wenn die Kommunikation 40 Minuten verz\u00f6gert ist. Hier wird die Telemedizin unverzichtbar.<br \/>\nVon Weltraummissionen bis zu Krankenhausstationen hat die Telemedizin ihren Wert bewiesen. Die Herausforderung besteht nun darin, dieses Innovationsniveau in die allt\u00e4gliche Gesundheitsversorgung zu bringen.<\/p>\n<p>Schnellere Versorgung am S\u00fcdpol als in Rom<br \/>\nPillon:\"Lassen Sie mich eine Geschichte erz\u00e4hlen. Ich war im Krankenhaus San Camillo in Rom, als ein Anruf vom S\u00fcdpol kam - ein Techniker war von einem Strommast gefallen. Sie schickten R\u00f6ntgenbilder, ich unterbrach meine Konsultation mit einem Patienten, koordinierte mich mit einem Radiologen, und innerhalb von 20 Minuten hatten wir die Ferndiagnose abgeschlossen.\"<br \/>\nDer Patient, den ich hatte warten lassen, schlug mich dann mit einem klassischen r\u00f6mischen Einzeiler:<br \/>\n\"Herr Doktor, ich verstehe, dass es dringend ist, aber mir ist etwas klar geworden - w\u00e4re ich am S\u00fcdpol gewesen, h\u00e4tten Sie mich in 20 Minuten gesehen. Hier in Rom habe ich f\u00fcnf Stunden gewartet.\"<br \/>\nDas ist das Paradoxon der modernen Medizin: Wir haben die Technologie f\u00fcr eine sofortige Behandlung, aber wir bleiben in einem System endloser Wartezimmer stecken.<\/p>\n<p>Der digitale Zwilling: Vorbeugen statt reparieren<br \/>\nDamit kommen wir zum Digitalen Zwilling, dem Kernst\u00fcck unserer Arbeit.<br \/>\nD'Arpa: \"Wir sammeln Daten von 'gesunden' Patienten - also solchen, die gesund erscheinen - und verwenden Vorhersagemodelle, um potenzielle Probleme fr\u00fchzeitig zu erkennen. Einer der wichtigsten Indikatoren? Der Schlaf. Wenn sich die Schlafgewohnheiten pl\u00f6tzlich \u00e4ndern, ist das oft das erste Anzeichen f\u00fcr ein aufkommendes Gesundheitsproblem.\"<br \/>\nPillon:\"Ganz genau. Als Angiologen wissen wir, dass die Nacht f\u00fcr das Herz entscheidend ist. Blutdruckschwankungen, Herzrhythmusst\u00f6rungen, Schlafapnoe - das sind alles Alarmzeichen. Und doch gehen die meisten Menschen erst dann zum Arzt, wenn bereits etwas schief gelaufen ist.\"<br \/>\nAn dieser Stelle kommen tragbare Ger\u00e4te ins Spiel. Aber das Sammeln von Daten ist nicht genug - wir brauchen Systeme, die sie richtig interpretieren k\u00f6nnen.<br \/>\nD'Arpa: \"W\u00e4hrend der COVID-19-Pandemie ergab eine Stanford-Studie, dass Apple Watches eine Infektion drei Tage vor dem Auftreten von Symptomen vorhersagen konnten. Warum? Weil der K\u00f6rper reagiert, bevor wir es merken - Ver\u00e4nderungen der Herzfrequenz, der Atmung, der Temperatur. Wenn wir diese Muster verfolgen, k\u00f6nnen wir Krankheiten vorhersagen, bevor sie auftreten.\"<\/p>\n<p>KI: Die einzige M\u00f6glichkeit, die Datenflut zu bew\u00e4ltigen<br \/>\nPillon:\"Und das ist das eigentliche Problem: Wer analysiert die Daten? Wenn mir ein Patient t\u00e4glich drei EKGs im PDF-Format schickt und erwartet, dass ich sie alle pr\u00fcfe, ist das einfach unm\u00f6glich. Wir brauchen eine KI, die nur die relevanten Alarme herausfiltert und hervorhebt.\"<br \/>\nGanz genau. Der digitale Zwilling ist daf\u00fcr ausgelegt, Daten zu sammeln, Trends zu analysieren und \u00c4rzte nur dann zu alarmieren, wenn ein Eingreifen erforderlich ist.<\/p>\n<p>Wer besucht einen Angiologen vor einem Herzinfarkt? Keiner. Und das ist ein Problem.<br \/>\nHier stellt sich die gro\u00dfe Frage: Wie k\u00f6nnen wir die Patienten erkennen, bevor es zu sp\u00e4t ist?<br \/>\nD'Arpa: \"Die Realit\u00e4t ist, dass niemand einen Angiologen aufsucht, wenn er sich gut f\u00fchlt. Der digitale Zwilling kann helfen, aber wir m\u00fcssen auch \u00fcberdenken, wer die Menschen zur Vorsorge anleiten kann.\"<br \/>\nHier kommt eine unkonventionelle, aber brillante Idee ins Spiel: Sch\u00f6nheitstherapeuten und Personal Trainer.<br \/>\nD'Arpa: \"Menschen, denen ihr \u00c4u\u00dferes wichtig ist, investieren oft auch mehr in ihre Gesundheit. Sch\u00f6nheitsspezialisten und Fitnesstrainer sehen ihre Kunden regelm\u00e4\u00dfig und k\u00f6nnten die ersten sein, die fr\u00fche Warnzeichen bemerken. Sie k\u00f6nnten zu Botschaftern des Digitalen Zwillings werden und den Menschen helfen, potenzielle Gesundheitsrisiken zu erkennen, bevor sie ernst werden.\"<br \/>\nPillon:\"Genau richtig. Es ist wie mit der Telemetrie in der Formel 1 - der t\u00f6dliche Unfall von Ayrton Senna geschah, weil seine Lenks\u00e4ule versagte. H\u00e4tten sie digitale Telemetrie gehabt, h\u00e4tten sie das Problem vor dem Unfall erkennen k\u00f6nnen. Der digitale Zwilling muss dasselbe f\u00fcr die menschliche Gesundheit tun - Probleme erkennen, bevor sie zu einer Krise f\u00fchren.\"<\/p>\n<p>Schlussfolgerung: Die Zukunft des Gesundheitswesens ist da, aber wir m\u00fcssen unsere Denkweise \u00e4ndern<br \/>\nDas Gesundheitswesen ist heute immer noch reaktiv - wir greifen erst ein, wenn etwas schief gelaufen ist. Mit dem digitalen Zwilling k\u00f6nnen wir sie vorausschauend gestalten. Aber dazu m\u00fcssen wir das tun:<br \/>\n\u2705 Daten intelligent nutzen, ohne die \u00c4rzte zu \u00fcberfordern.\u2705 Schulung neuer Fachkr\u00e4fte, damit sie Gesundheitsrisiken fr\u00fchzeitig erkennen k\u00f6nnen.\u2705 \u00dcberbr\u00fcckung der Kluft zwischen Medizin und Wellness durch Einbeziehung von Fitness- und Sch\u00f6nheitsexperten in die Gesundheits\u00fcberwachung.<br \/>\nDie Technologie ist bereit. Jetzt brauchen wir nur noch den entsprechenden Bewusstseinswandel.<br \/>\nEin gro\u00dfes Dankesch\u00f6n an Professor Sergio Pillon f\u00fcr dieses aufschlussreiche Gespr\u00e4ch. Und wie immer gilt: Bleiben Sie dran an My Digital Twin - denn die Zukunft des Gesundheitswesens ist schon da.<\/p>\n<p>Sergio d'Arpa<\/p>\n<p>Zertifizierung https:\/\/kliniksanktmoritz.ch\/md\/dr-sergio-pillon\/<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willkommen zur\u00fcck bei My Digital Twin! 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